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Am 28.12.2019 hat der Data Scientist David Kriesel einen spannenden Vortrag zur Pünklichtkeit der Bahn gehalten. Auf der Veranstaltung 36C3 entstand folgendes Video: https://www.youtube.com/watch?v=0rb9CfOvojk

 

David Kriesel ist 1984 in Bonn geboren und arbeitet als Informatiker. In seinem Vortrag "BahnMining" beschäftigt er sich privat mit der Pünktlichkeit der Deutschen Bahn (v.a. im Fernverkehr) und hat hierzu umfangreiche Datensätze gesammelt und eigene Statistiken erstellt. Wer keine Lust hat sich das einstündige Video anzugucken, kann hier eine kurze Zusammenfassung lesen:

 

Die Definition von Pünklichkeit

Die Bahn hat im Januar 2019 das Pünktlichkeitsziel von 74,9 % ausgegeben. Die ausgegebene Pünktlichkeit lag im Vorjahr höher. Die Deutsche Bahn (DB) definiert eine Verspätung ab 6 Minuten Verspätung. Das bedeutet, dass alle Züge die lediglich 5 Minuten verspätet sind, als pünklich in der Statistik der DB auftauchen.

 

Das Spielen mit Daten

Herr Kriesel erklärt im Video seinen Datensatz. Um an die Daten zu kommen hat er sich eine Genehmigung bei der Deutschen Bahn geholt. Alle Daten stammen aus dem Jahr 2019 und wurden über ca. 12 Monate aufgezeichnet. Beispielsweise enthält sein Datensatz für Köln Hbf - 380.000 Stopps. Nach der Auswertung ergab sich für den Hauptbahnhof in Köln eine Pünklichkeit von 66 %. Seine Daten ergeben, dass die Pünktlichkeit vom Regionalverkehr deutlich besser ist als im Fernverkehr. Eine große Problematik ist, dass verschiedene Zugtypen auf dem selben Schienennetz fahren. So fahren in Deutschland S- und Regionalbahnen, Regional-Express, Eurocity, Intercity und Intercity-Express, sowie der Güterverkehr auf der selben Schiene mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Dies ist beispielsweise in Japan anders, wodurch die Pünktlichkeit der Züge deutlich höher ist. Da in Japan "nur" die großen Städte miteinander verbunden sind, ist ein Vergleich jedoch schwierig.

 

Fernverkehr in Schleswig-Holstein

Aufgrund der großen Datenmenge beschäftigt sich Herr Kriesel häuptsächlich mit dem Fernverkehr, um zu prüfen ob die Angaben der Deutschen Bahn in Sachen Pünktlichkeit stimmen. Nach seinen Daten stimmen die Aussagen der Deutschen Bahn. Jedoch trickst die Deutsche Bahn bei der Angabe der Pünktlichkleit indem Sie alle Zugausfälle aus ihrer Statistik rausrechnet. Herr Kriesel erklärt, dass die Wahrscheinlichkeit für einen Zugausfall am Anfang und am Ende der angegeben Route deutlich wahrscheinlicher ist, als in der Mitte. Dies bedeutet für Schleswig-Holstein, dass die Wahrscheinlichkeit für unpünktliche Züge extrem hoch ist und über dem Bundesdurchschnitt liegt. Schleswig-Holstein liegt nämlich immer am Anfang- oder am Ende einer Fernverkehrsroute. Deswegen enden Fernverkehrszüge immer häufiger in Hamburg und nicht in Schleswig-Holstein. Ein geografisches und infrastrukturelles Problem in Schleswig-Holstein ist zusätzlich, dass Schleswig-Holstein eine Schienen-Sackgasse ist. Bei einem integralen Taktverkehr sind Sackgassen extrem ungünstig, da die Verspätungen zu nehmen und eine hohe Auswirkung auf die folgenden Verkehre haben.

 

Ist die Deutsche Bahn temperaturabhängig?

Ja, denn im Video wird erklärt, dass das Wetter einen sehr großen Einfluss auf die Züge hat. So steigt die Wahrscheinlichkeit für Verspätungen bei z.B. großer Hitze und bei Sturm. Außerdem geht aus den Daten hervor, dass ein Zug der mind. 40 Minuten Verspätung hat, mit größerer Wahrscheinlichkeit an Verspätung zu nimmt.

 

Das Upgrate vom Sparticket zum Flexticket

Aus dem Vortrag geht hervor, dass z.B. die Wahrscheinlichkeit für einen unpünklichen Zug (ab 20 Min, da sich hier die Zugbindung löst) mittwochs in Neumünster sehr hoch ist. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 72 % erhalten Sie bei der Buchung eines Spartickets ein unfreiwilliges "Upgrade" auf ein Flexticket durch die Verspätungen. Diese Angaben sind natürlich nicht verbindlich und rein statistisch und keine Kaufempfehlung. Weitere Informationen erhalten Sie auf der Seite von Herrn David Kriesel: http://www.dkriesel.com/#dokuwiki__top

 

Fazit

Insgesamt ist es ein sehr guter Vortrag was man mit Datensätzen machen kann und wo die Probleme der Deutschen Bahn liegen. Schön ist, dass er kein Bahn-Bashing betreibt und unterschiedliche Thesen aus seinen Daten herausfiltert und ableitet. Die Bahn macht es sich jedoch sehr leicht, indem sie ihre Datensätze nicht ordentlich auswertet mit der Ausrede "kein mathematisches Modell" zu finden, um die Pünklichkeit real darzustellen. Außerdem wird die Statistik der Zugausfälle nicht veröffentlich. Das Fazit vom David Kriesel ist: "Seid nett zur Deutschen Bahn, denn wir haben nur eine Bahn."

 

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